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“Konsequent ökologische Ausrichtung ohne ideologische Scheuklappen” (Prof. Dr. Dietrich Schwägerl, FH München) 

 “Wer sich für die aktuelle Umwelt-Diskussion interessiert, wird hier fündig” (ECOPOP-Bulletin, Sep. ‘03)    

 


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Aktuell

Aus dem Rezensionsteil von “Natukonservaiv heute. Jahrbuch 2006”:

Jared Diamond: Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen, Frankfurt am Main: S. Fischer, 2005, 704 Seiten, 22,90 Euro; (ISBN 3-10-013904-6) 

30 Jahre nach dem Erscheinen von Herbert Gruhls „Ein Planet wird geplündert“ im September 1975 brachte der selbe Verlag (S. Fischer) mit Jared Diamonds „Kollaps“ ein Buch auf den Markt, das eine thematische Nachfolge des vergriffenen Umweltklassikers antritt. Diamonds Werk über das Überleben und Untergehen von Gesellschaften stieg ebenfalls in die Spiegel-Bestsellerliste auf (bis auf Platz 5). Dabei schienen die „Apokalyptiker“ von früher längst abgehakt zu sein. Doch auch der Öko-Optimismus kam schon in die Jahre. Diamonds Bucherfolg markiert damit eine zeitgeschichtliche Wende in der Wahrnehmung der Zerstörung von ökologischen Grundlagen unserer Weltgesellschaft.

Seine Deutung des „ökologischen Selbstmords“ der Kultur auf der Osterinsel als Mahnmal für unsere globalisierte Gesellschaft gibt Diamond im Interview mit Psychologie heute (12/2005) als „neu“ aus; das stimmt zwar nicht, weil schon Hans-Dieter Striening hierzu 2001 ein Buch („Das Osterinsel-Syndrom“) vorgelegt hat, wie der Rezension mit Interview in Naturkonservativ heute 2002 entnommen werden kann. Aber das sagt noch nichts gegen Diamonds Werk aus. Denn wenn Wissenschaftler, ein Geograph und Anthropologe hier sowie ein Ökonom und Soziologe dort, unabhängig voneinander zu ähnlichen Ergebnissen kommen, spricht das um so mehr dafür, sich die Sache genauer anzuschauen. Diamond ist auch differenziert genug festzustellen, daß mehrere Faktoren am Untergang einer Gesellschaft beteiligt sind, wobei ihm ökologische Faktoren bedeutsam sind. Augenfällig wird letzteres durch eine Graphik in Diamonds Buch (vgl. S. 614), die politische und ökologische Krisenherde der Welt vergleichend darstellt. Denn ökologische Krisenherde sind auch politische Krisenherde.

Die Art der Darstellung des Materials erfolgt vor allem im ersten Teil zunächst im Stil eines Tatsachen-Romans. Bei einem breiten Publikum dürfte das Gefallen finden. Motivationen von Menschen will Diamond damit erhellen, also verstehbar machen. Die Fakten bleiben davon unberührt, worauf es letztlich ankommt. Entscheidend ist auch, welche Perspektive eingenommen wird. Es ist eine interdisziplinäre Sichtweise, mit der der Leser betraut wird. Damit gerät das Ganze in den Blick, das – wie schon Herbert Gruhl beispielsweise 1992 auf dem „heißen Stuhl“ einem breiten Publikum erklärte –, schlimmer aussieht als so manches Detail. Denn, so schreibt nun Diamond ein Dutzend getrennt behandelte Problemkomplexe betreffend, die den Gesellschaften ihre Zukunftsfähigkeit streitig machen: „Ein Problem verschärft das andere oder macht eine Lösung schwieriger. Das Bevölkerungswachstum beispielsweise wirkt sich auf alle elf übrigen Probleme aus: Mehr Menschen bedeuten mehr Waldzerstörung, mehr Umweltgifte, mehr Nachfrage nach wilden Fischen, und so weiter.“ (S. 612)

Der Leser wird sich während der Lektüre fragen, ob im öffentlichen Raum der Blick auf unsere Gegenwart wirklich ernst genug vorgenommen wird oder nicht doch allzu oberflächlich ausfällt. Denn wir haben es „heute“, wie Diamond darlegt, „mit den gleichen Umweltproblemen zu tun, die auch frühere Gesellschaften zu Fall brachte, und zusätzlich kommen vier neue hinzu: von Menschen verursachter Klimawandel, Anhäufung von Umweltgiften, Energieknappheit und die vollständige Nutzung der weltweiten Photosynthesekapazität durch den Menschen.“ (S. 20)

Diamond zeichnet keine rosige Zukunft, spricht vom durchaus wahrscheinlichen „Ökozid“, wollte laut dem erwähnten Interview ursprünglich sogar das Buch so nennen, fragte sich dann aber, „wer ein Buch mit einem derart depressiv machenden Titel überhaupt kaufen würde.“ Diamond gibt sich in seinem Buch nun verhalten optimistisch. Er glaubt, wir könnten alle etwas aus der Vergangenheit lernen, das unserer Zukunft nützt. Dafür zumindest möge sein Buch seinen Nutzen haben. Auch Gruhl hatte in „Himmelfahrt ins Nichts“ noch postuliert, seine Erkenntnisse und Erfahrungen gewinnbringend einbringen zu wollen, ohne deshalb aber zum Zweckoptimisten zu werden. 

Die großen deutschsprachigen Zeitungen haben übereinstimmend eine satte Begründung für die im Titel ausgedrückte Aussage vom „Kollaps“ bemerkt und sich – wie namentlich die Welt am Sonntag – an Herbert Gruhl erinnert gefühlt. Dies nicht ohne Grund. Denn die bearbeitete Fragestellung und die Kernaussage weist eine große Ähnlichkeit auf, mag es auch noch Unterschiede in der Einschätzung der Handlungsmöglichkeiten geben, wobei es sich aber eigentlich um ein didaktisches Problem handelt: Wie viel Wahrheit will man als Autor seinen potentiellen Buchkäufern zumuten? (V.K.)

Fundsache: Weitere Rezension zu Diamonds Buch mit Gruhl-Bezug (im gelb markierten Teil), unter: http://www.ecoglobe.ch/sustain/d/diam5o17.htm

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  Naturkonservativ heute. Jahrbuch 2006 - mit umfangreichem Rezensionsteil - erhältlich bei:

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