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Naturkonservati
Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 

Naturkonservativ heute / Band 5
Andreas Gruhl und Volker Kempf
Naturkonservativ heute
Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 2005
Essen 2005, 150 Seiten, 19,00 Euro [D] ISBN 3-89924-122-3

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Aus der Bücherwelt

Helmut Kohl: Erinnerungen. 1930-1982. München: Droemer, 2004, 684 Seiten, 28 Euro; (ISBN 3-426-27218-0)

kohlHelmut Kohl erzählt in seinem Buch mit dem Titel Erinnerungen zunächst von seinen „Wurzeln und Prägungen“, die in die Jahre 1930 bis 1959 fallen. Kohl wuchs als Sohn eines Bauern auf und mußte von daher in Kriegszeiten nicht hungern. Daß die Gestapo seinen Schwager in spe wegen NS-feindlicher Aussagen verhaftete, bekam der jugendliche Kohl mit (vgl. S. 37), ebenso, daß der Bombenkrieg eine schreckliche Sache war. Derart gezeichnet brauchte Kohl von niemanden mehr den Wert des Friedens erklärt zu bekommen. Um so wichtiger war Kohl nach dem Zweiten Weltkrieg eine Aussöhnung mit Frankreich und eine friedliche Einigung Europas. Die Pfälzer, zu denen sich Kohl zählt, seien bei aller europäischen Orientierung aber deutsche Patrioten geblieben. Kohl bekam die Gründungsphase der CDU in Rheinland Pfalz als politisch besonders interessierter Jugendlicher mit. Er erfuhr den Geist politischer Neubesinnung nach der Katastrophe der NS-Barbarei. Der erste Vorsitzende der pfälzischen CDU habe ihm, Kohl, die katholische Soziallehre sowie Grundlagen der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung vermittelt. 1947 wurde Kohl Mitglied der Jungen Union.

Damit begann Helmut Kohls parteipolitische Laufbahn. 1959 mündete Kohls plitisches Streben nach einem Studium in Frankfurt und Heidelberg in die Zeit als „Landespolitiker in Rheinland Pfalz“, wie auch das zweite Kapitel überschrieben ist. 1966 übernahm Kohl die Führung der CDU in Rheinland-Pfalz. Damit übernahm Kohl auch ein Parteispendensystem, das über Geldwaschanlagen funktionierte. Über die Staatsbürgerliche Vereinigung, die Kohl selbst erwähnt (vgl. S. 338), flossen zwischen 1954 und 1984 bekanntlich 200 Millionen DM. Gelder wurden gestückelt und wohlfeil verteilt. Das „System Kohl“ entstand. Kohl schreibt dazu aber nur: „Diese gewohnte Praxis des Spendensammelns schien auch mir als Parteivorsitzendem nicht verdächtig.“ (S. 338) Er schreibt sich zugute, daß er Sonderkonten übernommen habe, die schon auf Konrad Adenauer zurückgehen würden und „schaffte sie ab“ (S. 338). Fakt ist: Kohl fiel die Illegalität der Geldwäscheanlagen als „Oppositionsführer in Bonn“ in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre auf und versuchte sie nachträglich zu legalisieren. Das zumindest ist hinlänglich bekannt. Auch Herbert Gruhl berichtet in seinen Erinnerungen Überleben ist alles (1987) über entsprechende Vorgänge, die er skandalös fand. Was aber schreibt Kohl dazu? Gruhl habe ihm, also Kohl, vom „ersten Tag an Schwierigkeiten“ (S. 493) gemacht. Denn Gruhl „polemisierte gegen Wirtschaftswachstum“ und „wetterte gegen die Neutronenbombe“, aber er „polemisierte“ auch gegen „Eigentum“ (S. 493). Gruhl, der alles andere als ein Sozialist war, soll sich vehement gegen „Eigentum“ ausgesprochen haben? Das ist doch sehr erklärungsbedürftig, bleibt aber so im Raume stehen. Die Antwort kann nur lauten: Gruhl monierte unrechtmäßiges Parteieigentum beziehungsweise den Versuch der nachträglichen Legalisierung und erklärte via TV 1978, unter anderem deshalb die CDU zu verlassen. Das wird Kohl nicht gefallen und auch nicht vergessen haben. Vielmehr wird hier in Form von Erinnerungen ein früher Kritiker an Kohls Parteispendenpraxis selbstgefällig abgestraft. An besagten Praktiken beteiligte Personennamen tauchen hingegen in Kohls angeblichen Erinnerungen nirgends auf, außer Walter Leisler Kiep. Das spricht dem Buchtitel Erinnerungen Hohn, war aber auch nicht anders zu erwarten. Denn sogar vor Gericht machte Kohl zuletzt immer wieder geltend, sich in Einzelfällen weder an die Spender noch deren Absichten erinnern zu können oder verweigerte die Aussage. Hier umgeht Kohl selbst längst bekannte Tatsachen.

Wenn Autobiographen im allgemeinen dazu neigen, dem eigenen Leben einen roten Faden einzuspinnen, dann gilt das auch für Kohl. Die ersten Prägungen, der Aufstieg in die Landes- und dann Bundespolitik. Der frühe Patriotismus, die Suche nach einer Aussöhnung mit Frankreich und nach einem geeinten Europa, das alles macht Kohls späteres politisches Wirken aus. Das „CDU-System Kohl“ wird dabei selbstgerecht ausgeblendet, so daß die eigene Person in einem günstigen Licht erscheint. Das geschieht auch noch dreist auf Kosten anderer. Damit schreibt Kohl fort, was ihm seine Kritiker schon länger vorwerfen, daß er folgsame Parteifreunde förderte und eigenständige Köpfe abstrafte, die aber zur intellektuellen Substanz einer Partei gehören. (Volker Kempf, 10.12.2004)

- Weitere besprochene Titel -

Lotte Lohde: Wir Mitläufer. Erinnerungen, Überlegungen, Vermutungen. Schnellbach: S. Bublies, 2004, 255 Seiten, 14,95 Euro; (ISBN 3-926584-92-0)

Florian Hartleb: Rechts- und Linkspopulismus. Eine Fallstudie anhand von Schill-Partei und PDS. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2004, 361 Seiten, 36,90 Euro (ISBN 353114281X)

Bettina Gerlitz: Umwelthaftung und Unternehmerfreiheit. Bern, Frankfurt/ M. u. a.: Peter Lang 2003, 334 Seiten, 50,50 Euro (ISBN 3-631-38268-5)

Ralf Grünke: Umweltlobby auf Stimmenfang. Grüner Verbandswahlkampf im Vorfeld der US-Kongresswahlen 1998 und 2000. Schriftenreihe POLITICA. Schriftenreihe zur politischen Wissenschaft, Band 48. Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 2003. 142 Seiten, 68 Euro. ISSN 1435-6643.

Richard A. Clark: Against All Enemies. Der Insiderbericht über Amerikas Krieg gegen den Terror. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2004, 384 Seiten (ISBN 3-455-09478-3)

Paul Edward Gottfried: Multikulturalismus und die Politik der Schuld. Unterwegs zum manipulativen Staat. Graz: Ares Verlag, 2004, 222 Seiten, 19,90 Euro (ISBN 3-902475-000-5)

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