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Klaus, Václav: Blauer Planet in grünen Fesseln. Was ist bedroht: Klima oder Freiheit? Carl Gerold’s Sohn Verlagsbuchhandlung, 2007, 126 Seiten, 25,00 Euro; (ISBN 978-3-900812-15-7)
Vaclav Klaus ist seiner Herkunft nach Wirtschaftswissenschaftler und aktuell ein tschechischer Staatspräsident, der sich von der UN-Klimaschutzpolitik geknebelt, bedrängt und missioniert fühlt. Nicht der „blaue Planet“ sei gefährdet, sondern die Freiheit des Menschen durch Klimaschützer. Denn es sei die Einstellung der Ökologisten zur Natur dem marxistischen Ansatz zu den Gesetzen der Volkswirtschaft ähnlich, „weil sie sich darum bemühen, die freie Spontaneität der Entwicklung der Welt (und der Menschheit) durch eine vorgeblich optimale, zentralistische oder ... durch eine global geplante Entwicklung der Welt zu ersetzen.“ Wird das den Ökologisten gerecht? Es ist mit Herbert Gruhl ein Ökologist, der ganz ähnlich davor warnte, im Namen „grüner“ Anliegen eine zentralistisch geplante globale Entwicklung schaffen zu wollen. Gruhl meinte, eine internationale Umweltschutzpolitik müsse scheitern, weil viele nationale Interessen in Konflikt miteinander geraten und damit keine Erdpolitik zu Wege kommen werde, die diesen Namen verdient Das ist schon mehr als 15 Jahre her. Viele Klimakonferenzen gab es seither, aber gleichzeitig stiegen die Werte des Kohlendioxidausstoßes weltweit an. Ist das schlimm, wenn die besagten Werte zunehmen? Erwärmt sich deshalb das Klima? Wenn ja, sind die Folgen politikrelevant?
Vazlav Klaus stellt sich solche Fragen. Das ist sein gutes Recht. Aber Klaus wird auch sehr einseitig. Einerseits beklagt er die mangelnde Meinungsfreiheit im Klimaschutzdiskurs. Andererseits blendet Klaus aus, daß nicht nur Klimaschutzkritiker, sondern in den USA vor allem Vertreter der Theorie vom zusätzlichen Treibhauseffekt mundtot gemacht wurden. Klaus meint, Klimawissenschaftler seien von der Klimaerwärmung materiell abhängig, ihnen sei also nicht zu trauen. Ärzte sind in ihrer Existenz auch von den Krankheiten anderer abhängig; demnach dürfte Klaus keinen Arzt um Rat fragen. Besonders perfide ist, daß Klaus die Kritiker der führenden Klimaforschung offenbar für besonders objektiv hält, obwohl hier Exxon Mobil fleißig mitmischt. Wir erinnern uns: Der besagte Ölkonzern, der einen Jahresumsatz von 365 Milliarden US-Dollar hat – was dem Bruttoinlandsprodukt von Österreich entspricht –, hat nach dem Vorbild von Desinformationskampagnen der Tabakindustrie ein Netzwerk aus mindestens 43 Organisationen und 15 Autoren geschaffen, die sich gegenseitig in Fragen der Klimaforschung im Sinne des Geldgebers bestätigen (siehe natur 1/2008). Sollte es Klaus um seriöse Klimaschutzkritik gehen, müßte er deutlich machen, daß die Machenschaften der Ölindustrie nicht hilfreich sind, sondern das Diskursklima aufheizen und vergiften. Aber was nützlich ist, angebliche grüne Fesseln zu sprengen, kann für Klaus nicht kritikwürdig sein. Dafür schickt Klaus einen seiner Berater ins Kino, um einen Klimaschutzfilm von Al Gore anzuschauen, und läßt sich berichten, daß unter der Popularisierung des Themas die Wissenschaftlichkeit leide. Selbst bedient sich Klaus aber billiger Tricks, um glaubhaft zu machen, daß Wirtschaftswachstum gar nicht den Kohlendioxidausstoß erhöhe. Denn um diese These zu belegen, wechselt Klaus einfach die Ebene. Nicht der mit dem globalen Wirtschaftswachstum annähernd mitgewachsene Kohlendioxidausstoß wird als das Maß der Dinge herangezogen, sondern der Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid, der einer Graphik zufolge 2003 etwa so hoch war wie 20 Jahre zuvor. Daß die Zahl der Teilnehmer an einer energieintensiven Wirtschaft aber anstieg, mußte den Gesamtausstoß an Treibhausgasen wie geschehen erhöhen, was Klaus einfach ausblendet.
Überhaupt hat Klaus mit der Umweltbelastungsvariable Bevölkerungszahl seine Probleme. Wenn es anläßlich der Aussage über den positiven ökologischen Effekt einer abnehmenden Bevölkerungszahl in den USA heißt, diese Variable betreffe „keinesfalls ... die Umwelt“, dann ist das völlig abwegig. 300 Millionen statt beispielsweise 150 Millionen US-Amerikaner sollen nicht mehr Kohlendioxid und fossile Energieträger verbrauchen? Ist das nicht logisch richtig? Kommt es nicht umso mehr zu Ressourcenkonflikten, je schneller die Grundstoffe und fossilen Energieträger geplündert werden? Sind die US-Amerikaner und einige andere Westmächte nur zufällig in der besonders ölreichen Region um das Kaspische Meer stationiert? Oder gefährdet die Plünderung des Planeten nicht doch die Freiheit des Menschen?
Hätte sich der Autor damit begnügt, Schwächen im Klimaschutzdiskurs aufzuzeigen, einige politische Maßnahmen als fragwürdig zu kritisieren und die Publizitätseffekte auf Klimakonferenzen aufs Korn genommen, er hätte ein gewinnbringendes Thema gehabt. Stattdessen aber wird Klaus harsch im Ton und stiftet mit bloßen Behauptungen und rhetorischen sowie statistischen Kniffen, also mit Desinformation Verwirrung. Damit wird das, was ohnehin geschieht, die Plünderung des Planeten, mit einem guten Gewissen versehen. Genau damit erweist sich Klaus als das, was er Gore vorwirft, nämlich als Erlösungspolitiker, nur mit einem anderen Vorzeichen. (V. Kempf)
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