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Naturkonservati
Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 

Naturkonservativ heute / Band 6
Naturkonservativ heute
Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 2006
Essen 2006, 188 Seiten, 23,00 Eruro [D] ISBN 3-89924-156-8

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(Seite 1 von 16 Seiten)

Umweltpolitik – Schlagwort oder ernster Begriff?

Von Franz Vonessen

Vorbemerkung: Der folgende Text, der zwischen 1986 und 1988 dreimal vorgetragen worden ist, hat seither nichts von seiner Bedeutung verloren. Nur der Schlußsatz bedurfte einer kleinen Änderung.

I.

Ich halte hier keine politische Rede, sondern ich spreche über Politik. Aber “über” – das meint in diesem Fall wirklich: eine Stufe darüber. Was der Titel andeuten will, ist ja, daß der Begriff Umweltpolitik mißbraucht wird, politisch mißbraucht wird, von den Politikern mißbraucht wird. Demgegenüber möchte ich den Ernst der Sache zu Wort bringen. Erhaltung der Weltgesundheit, Umweltbewußtsein, ökologisch verantwortliches Handeln – das können ernst gemeinte Programme oder aber Lügen und Schlagworte sein. Hier sind Unterscheidungen notwendig. Jeder Begriff hat – fast möchte ich sagen: von Natur aus – seinen Ernst, aber diesen Ernst kann man verkennen oder, was schlimmer ist, man kann ihn bewußt zerstören und sogar als Tarnung für ganz andere Zwecke benutzen. Doch denke ich nicht nur an die finsteren Burschen, die so etwas tun – sogenannte Politiker zumeist – sondern ich meine jedermann, der der Sache nicht den gehörigen Ernst widmet, auch jeden, der das Wort Ökologie sentimental und verkleinernd gebraucht. Bekannt ist das Bild von A. Paul Weber, das den Titel trägt “Der letzte Privatier”: In einer vollkommen zerstörten und toten Umgebung, vielleicht einer Bombenlandschaft, steht unversehrt ein herziges kleines Haus – munter rauchender Schornstein, Garten der von Blumenpracht strotzt, drumherum ein hoher Zaun über den man kaum wegschauen kann, und drinnen, zwischen den Blumen kaum Platz findend, der in sein Gartenglück vertiefte Besitzer, ein lebender Gartenzwerg, der Sonnenblumen begießt, die fast über das Hausdach hinauswachsen.

Bestimmt hat dieser Mann einen Komposthaufen; er pflanzt biologisch einwandfreien Salat und gesundes Gemüse. Er heizt zwar noch mit Kohle, aber nächstens schon mit Solarenergie, und natürlich fährt er nicht mit dem Auto, sondern per Fahrrad. Aber falls er doch Auto fährt, dann mit einer Geschwindigkeit von höchstens neunzig Stundenkilometern. – Ich habe nichts gegen diesen Mann, er meint es auch gut. Aber A. Paul Weber findet ihn beispielhaft lächerlich, und damit hat er wohl recht. Wer sich einbildet, die Umwelt – oder ... (...)

 

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