Vorwort Im gewohnten
Erscheinungsbild, jedoch mit einem etwas festeren Einband, präsentiert sich die dritte Ausgabe von Naturkonservativ heute. Die Kapitelfolge des Jahrgangsbandes 2003 ist der seiner Vorgänger angelehnt. So steht
an erster Stelle wiederum die Dokumentation von bislang noch nicht publizierten Schriften Aus dem Nachlaß von Herbert Gruhl. Es handelt sich hierbei um Die Götzendämmerung des materialistischen Zeitalters
– ein Vortrag, der gegen Ende der 1970er Jahre zu Papier gebracht wurde und durch seine tragisch-düstere Zeitlosigkeit besticht. Werksgeschichtlich legt der Text Zeugnis davon ab, wie sehr sich der Autor nach Vollendung seines
1975 erschienenen Buches Ein Planet wird geplündert mit Friedrich Georg Jünger beschäftigt hat. Im zweiten Kapitel Natur heute geht der Gewässerschützer Reinhard Falter auf Das
„Jahrhundert-Hochwasser“
an Elbe, Mulde und Donau ein. Er fragt nach den ökologischen Ursachen, aber auch den geistig-weltanschaulichen Wurzeln der Natur-Vergewaltigung, wie sie in der Zerstörung und Besiedlung von Flußauen offensichtlich wird. Ob
Ökoterroristen unter dem Bett lauern, ist die bitter-ironische Frage, die sich seit dem 11. September 2001 in den USA vermehrt stellt. Das kommt einer Kriminalisierung von Umweltschützern gleich, wie The Ecologist
bemerkt, dessen entsprechender Beitrag hier erstmals in deutscher Übersetzung vorgelegt wird. Sebastian Pflugbeil, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz, hat sich unterdessen in seinem Beitrag einer buchstäblich tickenden Zeitbombe – dem Sarkophag von Tschernobyl – angenommen. Von einem engagierten Regenwaldschützer und zeitweiligen Umweltminister in Brasilien, José Lutzenberger, gilt es Abschied zu nehmen. Er wird von Jahrbuch-Mitherausgeber Heinz-Siegfried Strelow als das
„grüne Gewissen“ des südamerikanischen Landes gewürdigt. Auf Leben und Werk des ebenfalls 2002 verstorbenen Erwin Chargaff geht in dem Kapitel Konservativ heute
der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Romig ein. Gewürdigt wird hier der erste und schärfste Mahner vor den Risiken der Gentechnik. An der Schnittstelle der Frage der Manipulation des Lebens und der damit verbundenen Herausforderung von konservativen Welt- und Wertbildern ist auch der Beitrag der Umweltjournalistin Martina Kempf angesiedelt. Konkret werden hier die Fragen des Lebensschutzes und der Elternschaft im Zeitalter der Stammzellenforschung beleuchtet.
Schwerpunktthema des vorliegenden Bandes ist der Zusammenhang von Ressourcenverknappung und Konflikten, der sich anhand zahlreicher Tragödien der jüngsten Vergangenheit aufdrängt. Dabei liefert
Jahrbuch-Mitherausgeber Volker Kempf eine Problemübersicht ab und steuert auf die Ereignisse vom 11. September 2001 zu. Frank Sage führt den Gedanken mit Blick auf den militärischen Einsatz der USA in Afghanistan weiter, während
Oliver Ernst sich der wohl wichtigsten Ölressource der Zukunft, dem Kaspischen Meer, annimmt. Jenny Goldie, Vorsitzende der Sustainable Population Australia, zeigt in ihrem Beitrag auf, was auf der nördlichen Halbkugel leicht
übersehen wird: daß die Ressourcenverknappung auch für den kleinsten Kontinent der Erde von größter Bedeutung ist. Zu Werk und Wirken von Herbert Gruhl hat mit der bekannten Psychotherapeutin Christa Meves nicht
nur eine Meisterin des Verstehens zur Feder gegriffen, sondern auch die Mitverfasserin des Grünen Manifestes
der Grünen Aktion Zukunft (GAZ) von 1978. Dem schließt sich Hans-Joachim Ritter an, der aus Sicht eines langjährigen Parteipolitikers Die geschichtliche Bedeutung von Herbert Gruhl beleuchtet. Mit
dem letztgenannten Beitrag wird die Veröffentlichung von Vorträgen, die im Oktober 2001 anläßlich des 80. Geburtstages von Herbert Gruhl in Königswinter gehalten wurden, fortgeschrieben. Das gilt auch für die beiden folgenden Texte
im Kapitel Dokumentation. Als da wäre zunächst der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Hans-Christoph Binswanger mit seinem Beitrag Umrisse eines zielführenden Nachhaltigkeitskonzeptes im Energiebereich. Kai
Schlegelmilch, Mitarbeiter des Bundes-Umweltministeriums, hat eine kritische Würdigung der Pionierleistung Herbert Gruhls auf dem Gebiet der ökologischen Steuerreform vorgelegt.
Wie schon in den ersten zwei Jahrgangsbänden gehört auch das Zeitgeschehen wieder zur Grundausstattung, das diesmal Horst Haitzinger mit einer Karikatur auf den Punkt bringt, während Das ökologische Tagebuch
wie gewohnt die Schreckensbilanz unserer Politik in all ihren Facetten fortschreibt. Der Blick in die Bücherwelt und der Stand der Verfügbarkeit der Gruhlschen Publikationen dürfen nicht fehlen. Die Selbstdarstellung
bleibt diesmal der Heinz Sielmann Stiftung vorbehalten, auf deren Gut im Eichsfeld die diesjährige Mitgliederversammlung der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. stattfand. Die in den bisherigen Jahrgängen von Naturkonservativ heute
erschienenen Abhandlungen werden abschließend in einem Register aufgezeigt.
Hannover/Düsseldorf, im November 2002 |
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