Günther Nenning: Anders gesehen , Wien: Überreuter, 2002, 204 Seiten, 21,90 Euro

Günther Nennings Kolumnen, Kommentare und Essays sind „Lichtblicke im finsteren Medienwald“, urteilte ein neidloser Kollege. Seine Texte sind so anders, daß sie das landläufige Zeitungs- und Fernsehformat sprengen. Sie erscheinen in Österreich, Deutschland und der Schweiz und gelten als uneinholbar, gemessen an den Maßstäben der Tagespublizistik. Das vorliegende Buch ist eine Sammlung derartiger Kolumnen, Aufsätze und Essays, wobei ein Großteil zuvor in der „Krone“ erschien, Österreichs „Zentralorgan der Umweltschützer“, wie Nenning die Zeitung zu nennen beliebt.

Die Texte sind in thematischen Blöcken wie „Christliche Offensive“ „Medizinzauber - Zaubermedizin“ oder „Heimat und Volkskultur“ zusammengefasst. Allen Beiträgen ist die doppelbödige und doppeldeutige Scharfzüngigkeit des Kolumnisten zu eigen. Besonders lesenswert ist dabei das „Bauernmanifest“, in dem Nenning ein leidenschaftliches Plädoyer für eine organische ländliche Kultur ablegt. „Ich bin begeisterter Tierschützer. Ich bin begeisterter Bauernschützer. Ich sehe den Zusammenhang so: Wer den Bauern niederdrückt, wer ihm einen immer tieferen Preis abpresst für seine Produkte, der fördert die Tierquälerei. (...).Die Mega-Giga-Agrarindustrie ist ihrem Wesen nach Tierquälerei.“

Deutliche Position bezieht Nenning auch in Fragen der Gen- und Klontechnik, der „Industrie des Todes“, wie er meint: „Eine Grenze ist erreicht, wir dürfen uns nicht drücken. Vor dem großen Tuten und Blasen der Gen-Propaganda gilt keine kleine Feigheit. Sondern nur ein klares, wohl abgemessenes Nein.“ Verunreinigung der Nahrung durch genmanipuliertes Matreial bezeichnet Nenning als „Zwangsernährung der Menschheit“ gegen die er mit leidenschaftlicher Feder zum Widerstand aufruft: „Bürger auf die Barrikaden, bevor die Manipulation allgegenwärtig und unumkehrbar ist. Die Manipulationen der Manipulateure offenlegen, die Konzerne bloßstellen“ ist sein flammender Appell. „Wenn wir uns wehren, kriegen jene Konzerne statt Profit nur ein unauslöschlich schlechtes Image. Drum weiter so. Die Bewegung gegen Gen-Lebensmittel ist auch eine Rettungsaktion für die Demokratie.“

In dem Themenblock „Wie grün ist grün?“ überrascht Nenning durch eine eindeutig katholisch und konservativ geprägte Begründung seines ökologischen Engagements: „Natur ist ja nur ein lateinischer Name für Schöpfung. Jener winzige Teil der Schöpfung, der meinem Herzen besonders nahe ist, das ist die Heimat. Auch Europa ist meine Heimat, die Welt ist meine Heimat. Aber ich will nicht unverdächtig sein bei den Schnüfflern. Schnüffelt nur: ich liebe Österreich. Naturschutz ist Heimatschutz. (...) Den Kampf für die Natur will ich ohne Zimperlichkeit ganz direkt fassen als Kampf für Gottes Natur.“

(STW)

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